Technologie-Strategie 2013 aus CEO-Sicht

insign insights

insign hat vor gut zwei Jahren die Weichen für eine neue Strategie in technologischer Hinsicht gestellt. Die Frage, mit welcher Technologie eine Lösung am besten realisiert wird, ist heute anders zu beantworten als vor zehn Jahren. Diese Neuausrichtung haben wir letzte Woche mit einer Intensiv-Schulung in TYPO3 Flow (und vielen Einblicken in TYPO3 Neos) mit Robert Lemke abgeschlossen. Weil diese Welt unglaublich spannend ist, berichte ich hier kurz aus CEO-Sicht darüber.

Die ersten 10 Jahre

Kurz nach der Gründung 1999 erfand insign die icms E-Business-Plattform, eine stets wachsende und sehr breite Software-Suite für die Realisierung individueller Lösungen, mit welcher wir während der ersten Dekade unseres Schaffens tolle Lösungen realisieren konnten, von CMS– (z.B. www.pwc.ch) über E-Commerce– (z.B. www.geschenkidee.ch) bis hin zu komplett individuellen Lösungen (z.B. www.faircustomer.ch).

Argumente für eine Neuausrichtung der Technologie-Strategie

Es brauchte einige Jahre, bis sich Standard-Lösungen allmählich positionieren konnten und für unsere Anwendungsgebiete auch genügend flexibel waren. Die eierlegende Wollmilchsau haben wir bis heute nicht gefunden, in verschiedenen Bereichen sind aber einzelne Lösungskomponenten unserem icms überlegen. Während wir als Full Service-Agentur im Projektbusiness tätig sind und uns schon seit Beginn gegen eine Einproduktstrategie entschieden haben, fokussierten sich andere auf die Produktentwicklung, wie beispielsweise die Macher hinter der Magento E-Commerce-Suite mit rund 300 Entwicklern, was sich in einem raschen Releasezuyklus und in schnell wachsenden Features positiv auswirkt.

Zu Beginn stellte die mit dem Einsatz von icms einhergehende Agentur-Bindung kein Problem dar, weil unsere Kundinnen und Kunden genau wussten, dass es kaum sinnvolle Alternativen gab. Natürlich konnte man auf die ganz grossen Systeme schwenken, wie auf Obtree oder Imperia, doch waren diese dann derart unflexibel im Vergleich mit unserer Lösung, dass dies nie wirklich als Option genutzt wurde.
Ein Magento beispielsweise bietet heute nicht nur Unmengen an Funktionen, sondern damit auch zahlreiche Argumente für den entsprechenden Einsatz. Wenn man heute professionell Newsletter verschicken will, dann kommt man an MailChimp oder Campaign Monitor kaum vorbei, und natürlich bieten diese Systeme dann direkte Anbindungen zu anderen Systemen, so dass die Grundfunktionalität einer Lösung schnell zusammengestellt werden kann.

Gute, ausgewachsene Alternativen mit (nun endlich) hohem Entwicklungsspeed, zahlreichen Funktionen und schon vielen, einfach anzuwendenden Schnittstellen, ohne dass man sich als Kunde an eine Agentur binden muss, sind schon bestechende Argumente. Bei uns stehen die Kundin und der Kunde im Zentrum, daher haben wir – mit diesen Argumenten vor Augen – die neue Technologie-Strategie initiiert.

Framework-Vielfalt ohne Ende

Entwickler wissen es und Kunden können es sich bestens ausdenken, wenn sie nur schon beginnen, sich mit der Materie auseinanderzusetzen: Es gibt unzählige Frameworks mit jeweils sehr individuellen Eigenschaften. Nicht alle sind wirklich fertig, keines kann wirklich alles und nicht alle Ansätze sind zukunftsfähig. Mit den Besten dieser Frameworks haben wir in den vergangenen Monaten verschiedene Projekte erfolgreich realisiert, damit wir in Real Life sehen, was die einzelnen Produkte wirklich können und wo der Glanz des Marketings dann doch zu blättern beginnt.

Viele dieser Frameworks haben wir fest ins Herz geschlossen, wie beispielsweise Symfony2, das im CMS-Bereich jedoch nicht überzeugen kann, das Java-basierte Play! Framework, das technologisch in etwas anderen Schuhen steckt, oder das österreichische pimcore, das einen spannenden Ansatz verfolgt, im daily business dann aber unsere Frontendler nicht vollends zu überzeugen vermochte.
Mit jedem einzelnen Framework haben wir erfolgreiche Projekte realisiert und wissen, dass unsere Kundinnen und Kunden die Vorteile des jeweiligen Systems sehr schätzen. Es liegt aber auf der Hand, dass wir nicht auf sämtlichen Hochzeiten tanzen können, mit unserer aktuellen Crew von 34 Mitarbeitenden.

TYPO wie bitte? – Flow, Fluid und CMS

Insbesondere ich, aber auch viele andere, die ich kenne, mochten TYPO3 überhaupt nicht. TYPO3 ist umständlich zu bedienen und meint mit den zahlreichen Extensions zu glänzen, von denen aber etliche wirklich nicht zu gebrauchen sind. Wir sind in den vergangenen zehn Jahren TYPO3 darum, wenn immer möglich, aus dem Weg gegangen. Natürlich, die grosse Community und die vielen Agenturen, die damit arbeiten, sind spannende Argumente für einen potenziellen Kunden. Aber damit ist die Lösung noch nicht realisiert – und auch redaktorenseitig bedient. 
Dennoch haben wir TYPO3 immer verfolgt und auch bei jedem Projekt – wenn auch nur kurz – berücksichtigt. Praktisch immer hatten wir dann aber gewichtige Argumente gegen einen entsprechenden Einsatz.

Doch dann kam alles anders: Die an der TYPO3 Version 5 entwickelnden Core-Devs merkten, dass die zu garantierende Rückwärtskompatibilität derart viele, neue, wichtige Entwicklungskonzepte a priori verhindert, dass kurzerhand entschieden wurde, die Version 5 zu vergessen und stattdessen eine neue Basis für ein neues „TYPO3“ zu schaffen. Das Framework darunter heisst TYPO3 Flow und wird ab und zu auch nur mit Flow oder FLOW3 bezeichnet. Das TYPO3 hier ist aber von den Marketeers vorangestellt worden, damit eben auch ein ganz neues Framework von der immensen Community profitieren kann.
Wir haben uns TYPO3 Flow angesehen und waren sofort begeistert: Aspekt-orientiertes Programmieren, Dependency Injection und vieles mehr, was die Herzen unseres CTOs und unserer Entwickler schneller schlagen lässt. TYPO3 Flow setzten wir daher als Framework in individuellen Projekten sehr rasch sehr gerne ein. Und dank dem, dass in TYPO3 seit der Version 3.4 die Template Engine Fluid eingesetzt werden kann, die sich wunderbar zwischen TYPO3 Flow und dem TYPO3 CMS einfügt, konnten wir uns sogar dafür erwärmen, das klassische TYPO3 CMS einzusetzen, bis dann TYPO3 Neos (siehe nächster Absatz) bereit steht.

Wieso der Sinneswandel? Neos!

Hauptgrund aber, wieso wir schon heute voller Vorfreude auf TYPO3 Flow, Fluid und das TYPO3 CMS setzen, ist Neos. Die TYPO3-Core-Entwickler haben nicht nur das Basis-Framework neu erfunden, sondern auch das komplette Content Management System. TYPO3 Neos, das erst seit kurzem so heisst und oftmals noch mit dem Arbeitsnamen „Phoenix“ bezeichnet wird, setzt neue Standards und die eigentliche Website ins Zentrum: Das User Interface wurde nicht überarbeitet, sondern komplett neu erfunden. Die neuesten Konzepte finden elegant Anwendung, wie beispielsweise die bisher nur brachliegenden Erweiterungen des Inhaltes durch semantisches Verständnis des CMS‚. Neos bringt Geschwindigkeit, Administratoren-Freude, Lernwille und eine wunderbare Architektur mit. Aber TYPO3 Neos wurde erst gerade geboren. Es ist heute zwar schon einsetzbar, nicht aber für ambitionierte CMS-Projekte zu empfehlen. Im März 2013 kommt die Version 1.0, ab ca. Herbst 2013 ist es dann sicherlich den Kinderschuhen entwachsen – wir freuen uns natürlich schon heute auf die ersten Neos-Projekte.

Startschuss!

Martin Bachmann, mein Geschäftspartner seit Gründung und CTO, hat sich darum intensiv engagiert und konnte Robert Lemke davon überzeugen, unsere Mannschaft in einer Intensiv-Schulung auf Speed zu bringen. Robert Lemke ist geistiger Vater von TYPO3 Flow, leitender Entwickler von TYPO3 Neos und Mitgründer der TYPO3 Association. Es freut uns darum ganz besonders, dass unser Committment, an dieser neuen TYPO3-Welt aktiv mitentwickeln zu wollen, bei ihm auf offene Ohren gestossen ist. insign wird darum in absehbarer Zeit an den Core-Elementen der neuen, schönen Flow– und Neos-Welt mitwirken!

Erste Projekte bereits in Arbeit

Übrigens: Mit dem kompletten Re-Engineering unserer internationalen und bisher auf icms basierenden Website www.waltermeier.com haben wir bereits begonnen. Extbase (eine Flow-Portierung für das aktuelle TYPO3)  ist die Basis, alle individuellen Erweiterungen werden direkt damit entwickelt. Als CMS setzen wir mittels Fluid das TYPO3 CMS oben drauf, achten aber dediziert darauf, dass dieses bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit mit TYPO3 Neos abgelöst werden kann.

Schlusswort für unsere Kundinnen und Kunden

TYPO3 Flow ist neu unser Main-Framework bei der Erstellung von Web-Applikationen. Wir fahren aber nach wie vor keine Einproduktstrategie, sondern setzen je nach Anforderungen die in unserem Ermessen sinnvollste Lösung ein, schwergewichtig Flow.
 Unsere Lösungen – auch dies ein strategischer Entscheid – haben kein Verfalldatum. Wir pflegen aktuell noch zahlreiche icms-Projekte und bieten allen unseren Kunden auf Wunsche gerne eine individuelle Migration ihres Projektes auf die sinnvollste Plattform an. Dabei sind in verschiedene Etappen unterteilte Migrationen problemlos möglich, bei denen zuerst nur wichtige Anwendungen erneuert und in Flow überführt werden, und beispielsweise das CMS sofort auf TYPO3 Neos migriert wird, während andere Komponenten parallel dazu weiterhin auf icms betrieben werden. Dank unserer breiten Erfahrung als Entwickler, Dienstleister und Kenner von zahlreichen Frameworks können wir solche Migrationsprojekte speditiv und kosteneffizient durchführen. So freuen wir uns auf auf Ihre Anfrage, auf viele TYPO3 Flow-Projekte und darauf, ab und zu dann mal wieder Symfony2, pimcore oder Play! in die Finger zu nehmen – ganz zu schweigen von den iOS- und Android-Apps, die wir parallel dazu entwickeln!

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CEO @insigngmbh. Ich habe Freude an meiner Familie, meiner Unternehmung, daran, Dinge zu gestalten und ich liebe spannende Biografien und Menschen.

Kommentare (8)

  1. Lieber Philipp Sprecher
    Lieber Martin Bachmann

    aus technischer Sicht kann ich der Neuausrichtung von Insign nicht folgen. Da ich das nie konnte, also auch nicht weiter schlimm. Was mich aber freut und beindruckt, ist der Werdegang von Insign, den ich ja am Rande von Anbeginn weg mitverfolgen konnte.

    Ich habe jeweils von Simon mitgekriegt, welch hochstehendes Wissen und Können bei Euch beiden vorhanden ist. Wahrscheinlich auch erforderlich und Basis, um in diesen Markt der rasanten Veränderungen und Neuerungen erfolgreich bestehen zu können.

    Mich freut’s dass Ihr Erfolg habt. Weiss das dieser nicht geschenkt wurde sondern hart erarbeitet. Ich gratuliere Euch dazu und wünsche Euch beiden und dem ganzen Team weiter viel Erfolg, und Euch beiden auch persönlich immer viel Gfreut’s.

    HR Häusermann

    • Lieber Herr Häusermann
      Dass wir von Ihnen diese freundlichen Worte lesen durften hat uns natürlich sehr gefreut! Gerade gestern ging ich mit Simon mittagessen und hörte dann noch weitere, höchst erfreuliche, private News.
      So können Sie sich nebenbei noch in ganz neuen Funktionen üben. Dabei wünsche ich viel Spass, bedanke mich nochmals für die Komplimente und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

      Und natürlich war Simon für den Start unserer Unternehmung ein entscheidender Faktor, das haben wir nicht vergessen.

      Freundlicher Gruss!
      Philipp Sprecher

  2. Guten Tag Philipp Sprecher und Martin Bachmann,
    obwohl sich unsere Weg schon vor vielen Jahren in einer völlig anderen Internet-Landschaft gekreuzt und zwischenzeitlich getrennt haben, gehört der Insign Newsletter noch heute zu meiner Pflichtlektüre.
    Alles Gute und beste Grüße.

    • Sehr geehrter Herr Mayer
      Besten Dank für die netten Worte. Na dann wollen wir uns mal zusammenreissen und etwas mehr publizieren, als in den letzten zwei Jahren – ansonsten haben Sie von uns ja kaum was zu lesen. Verschiedene Themen sind in der Pipeline…
      In diesem Sinne bis bald und freundlicher Gruss!
      Philipp Sprecher

  3. Danke für den spannenden Artikel, der auch sehr verständlich geschrieben ist (auch für keine Technik-Insider).
    Gratulation zudem zum Erfolg. Wer so hart am Markt segelt und bereit ist, sich weiterzuentwickeln, wird auch weiter erfolgreich agieren!
    Auf weitere gute Zusammenarbeit, N. Zeller

    • Hoi Nathalie
      Ja, Zusammenarbeit tönt prima. Vielleicht kann man das nach euren Restrukturierungen mal etwas intensivieren. Es müsste dabei auch nicht immer nur in eine Richtung gehen, wir haben ja ab und zu auch Kunden, die noch nicht einmal ein Corporate Design haben.
      Ich wünsche bald ein schönes Wochenende und liebe Grüsse auch an Anna!
      Philipp

  4. Hallo Insignler

    Gratulation zu dieser Entscheidung! Diese Art von Commitment und Contribution für TYPO3 ist genau das was NEOS braucht. Hut ab!

    Liebe Grüsse
    Alain

    • Sehr geehrter Herr Veuve
      Genau, man kann ja auch nicht immer nur Ja sagen. Eng fokussiert sind wir ja nicht, aber immerhin ein bisschen. Und das Beste daran: Wir freuen uns extrem und lieben das TYPO3 Flow wirklich heiss!

      Sie müssen mir aber helfen. Ich habe versucht zu rekonstruieren, woher wir uns kennen, insbesondere da im Kontext mit der BSSM auch Ihr Name gefallen ist. Klar, ein paar gemeinsame Kontakte haben wir – doch woher genau kennen wir uns / Sie insign?

      Ich wünsche ein erholsames Wochenende!
      Freundlicher Gruss!
      Philipp Sprecher

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